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Johann Sebastian Bach und Söhne


(Foto: Hubert Richter)

(bro) (khm) In den bis auf 1948 zurückgehenden Konzertveranstaltungen der Eberbacher Kunstfreunde e. V. sind seit 1987 - also seit 30 Jahren - auch immer herausragende Künstler zu hören, die Preisträger und Stipendiaten des Deutschen Musikrats Bonn sind. So haben die drei jungen Musiker des Cicerone-Ensembles, Thomas Wormitt an der Traversflöte, Adrian Cygan am (Barock)cello und Andreas Gilger am Cembalo, sich bei der nunmehr 60. Bundesauswahl "Konzerte Junger Künstler" (BAKJK 2016/17) bewährt und stehen damit mitten in einer erfolgreichen künstlerischen Laufbahn. Am vergangenen Freitag hatte das Ensemble seinen erfolgreichen Auftritt in Eberbach.

Der Ensemblename Cicerone - anspielend auf Jacob Burckhardts "Der Cicerone". Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens" (1855) war dabei programmatisch zu verstehen, wie die unterhaltsam sachkundige Moderation - Einführung am Mikrophon - durch die drei Musiker zeigte. Wie nämlich ein guter 'Cicerone' im Italienischen ein beredter Reise- und Kunstführer ist, der alte Gemälde, Skulpturen und Gebäude verständlich und sachkundig vorstellt, so gaben die Moderatoren interessante Informationen zu Komponisten, Aufführungspraxis und Instrumenten der Zeit, was guten Zugang zu der Barockmusik und ihren Weg hin zur Frühklassik ermöglichte. Das Publikum bekam also nicht nur beeindruckende Hörerlebnisse und hatte nicht nur die stupende Virtuosität der Musiker zu bewundern, sondern erhielt damit Einblick in die Musikgeschichte, als sich eine Abwendung von der Polyphonie des Barocks (Mehrstimmigkeit, aber von gleichwertigen, selbständigen Stimmen: Fuge, Kanon) hin zur Homophonie der Klassik (Einstimmigkeit, d. h eine Mehrstimmigkeit, aber mit hervortretender Hauptmelodie und übrigen rein begleitenden Stimmen, die durchaus unabdingbar sein können) vollzog. Dazu war ein passendes Programm ausgewählt: Werke der Bachsöhne in verschiedenen Besetzungen, die sich mehr oder minder dem neuen Musikstil zuwenden, waren eingerahmt von zwei Sonaten des Vaters, Meisterwerken noch im "alten Stil", dessen Höhepunkte nun einmal Bachs und auch Händels Werke bilden. Dabei dürfte bei der 'späteren' dieser zwei Bach-Sonaten Vater Bachs Fähigkeit, sich dem kommenden Stil zu nähern, durchaus zu erkennen sein.

Die e-moll-Flötensonate von Vater Bach (BWV 1034, in Kirchensonatenform (zweimal langsamer und schneller Satz hintereinander) ließ die Musiker gleich die Gunst des 'saalfüllend' gekommenen Publikums gewinnen. Sie ist deutlich den Strukturen nach im 'alten Stil' gearbeitet, was sehr deutlich die schnelle Darbietung der Fuge (2. Satz) zeigte. Der kurze dritte Satz brachte ein schreitendes Bassthema unter einem liedhaften Thema, das über dem sich wiederholenden Bassthema in typischer Weise abgewandelt wurde.

Die folgende Sonate für Flöte und b. c, (Cello und Cembalo) F-Dur war von Friedemann Bach, dessen negatives Bild, von der Trivialliteratur erzeugt, immer noch die Nachwelt beeinflusst, der "als freier Künstler" in seiner Zeit wohl scheitern musste, den aber Bruder Carl Philipp Emanuel für den Sohn hielt, der den Vater eher hätte ersetzen können als alle anderen seiner Kinder zusammen. Dessen Sonate zeigte einen Willen zu persönlichem Stil, der sich durch "Häufung von rhythmischen, melodischen, harmonischen Raffinessen" auszeichnete, die das Trio deutlich und betonend herausstellen konnte.

Von Sohn Johann Christoph Friedrich wurden zwei Werke präsentiert. Die Sonate A-Dur (vor 1770) war für ein Violoncello (zu fünf Saiten: c-g-d-a-'e' ) komponiert, was man aus den hohen Notenwerten der Sätze schließen musste. Deren großer Tonumfang (ambitus) rückte das Instrument in die Nähe der Gambe oder der Viola, so dass dieses Cello, meist mit Bassaufgaben sonst beschäftigt, hier auch solistisch hochtönige Abschnitte zusammen mit der Flöte dialogisierend zu spielen hatte. Das zweite Stück, die dreisätzige Sonate D-Dur (1780) war ein richtiges Trio mit Flöte, nun aber viersaitigem Cello und Cembalo, dessen drei Sätze - besonders der rasante erste Satz und das finale Rondo - jeden Hörer an die zügige Musik Haydns erinnern musste. Hier schien der Schritt vom Barock in die Klassik fast vollzogen.

Darauf war die zweisätzige Sonate (G-Dur H 564, 'Hamburger Sonate') von Sohn Carl Philipp Emanuel vorzutragen, der langjährig als Kammercembalist Friedrichs des Großen in zurückgesetzter Stellung wirkte, dann in Hamburg seines Paten Telemann Nachfolger wurde, dort eine bedeutende Stellung und eine riesige Arbeitslast übernahm und damals berühmter als sein Vater war. Bei diesem Werk war der neue, an Melodie orientierte, empfindsame, galante Stil deutlich zu erkennen. Der Flötist informierte auch über die damals verwendete Querflöte (flauto traverso, flûte traversière), die, da ausdrucksstärker, schon zu Vater Bachs Zeiten die sanft gedämpfte Blockflöte zu verdrängen begann. Musiziert wurde auf einer Flöte, die einem Instrument des Flötenvirtuosen, -bauers und -komponisten am preußischen Hof Johann Joachim Quantz (1697-1773) nachgebaut war. Ein Original selbst bestand aus Ebenholz mit Klappen aus Elfenbein. Eine Nachgebaute verwendet Buchsbaumholz und Kunststoff. Den warm wohllautende Klang erzielen auch diese heutige Materialkombination und die heutigen Flöten aus Neusilber (bestimmte Metalllegierung) und komplizierter Klappenmechanik.

Sohn Johann Christian, der von Mozart so bewundert, war mit seiner zweisätzigen Sonate A-Dur (op.16,4) vertreten, das mit einer zierlichen Flötenmelodik und dazugehöriger 'unabdingbarer' Cembalobegleitung ein gutes Beispiel für den galanten neuen Musikstil und auch die Doppelvirtuosität beider Instrumente abgab. Hier gab es Information zum Cembalo, das im Gegensatz zum (Hammer)klavier kein Schlag-, sondern ein Zupfinstrument ist, bei dem auf Tastendruck hin eine Saite, durch einen 'Dorn' angerissen, einen kräftigen, aber schnell verhallenden Klang ergibt. Da eine dynamische Veränderung (wie beim Klavier-, das daher Pianoforte und von Beethoven 'Lautleisekasten' genannt wurde) somit allenfalls durch Oktavierung (Tonkoppelung) möglich ist, betonte der Cembalist andere Abwechslungsmöglichkeiten, etwa die Agogik ( Tempo-Nuancierung: Zurückhaltung, Rubato oder Beschleunigung), die Artikulation (staccato, legato) und die vielen Tonverzierungen (Triller, Vorschläge, Mordente), die die Tonlänge ausweiten können.

Am Schluss kehrte das Ensemble zu Vater Bach zurück, zu dessen Flötensonate E-Dur (BWV 1035), die wahrscheinlich nicht in der Zeit am Hof von Köthen (1717-23) entstand, wo er die meisten seiner 'weltlichen Werke geschrieben hatte, sondern um 1747, wo er nach Notizen diese Sonate für den Privatsekretär Friedrichs des Gr. komponiert haben soll. Damit ließe sich auch erklären, dass bei diesem schönen Werk der Flötist die virtuose Flöte hervorheben, das Melodische betonen konnte und sich mit der typisch barocken Polyphonie (Fugierung) weniger zu tun hatte, alles Kennzeichen des "neuen Stils, den auch König Friedrich bevorzugte.

Für den begeisterten Applaus bedankte sich das Ensemble noch mit einem Satz aus einer weiteren Sonate von C. Ph. E. Bach.

27.02.17

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