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Begeisterter Beifall für das Berliner Sonic.Art-Saxophon-Quartett


(Foto: Thomas Wörner)

(bro) (khm) Am Freitag, 26. Oktober, war das Berliner Sonic.Art-Saxophon-Quartett im Eberbacher evangelischen Gemeindehaus am Leopoldsplatz zu Gast. Es spielte Werke von Grieg, Ravel und Mussorgski.

Meisterwerke von Grieg (Holbergsuite), Ravel (Grabmal von Couperin) Mussorgski (Bilder einer Ausstellung) im Konzert in Arrangements für Saxophon-Quartett: "Jagt es da den Puristen nicht die Gänsehaut über den Rücken?“ Seit das historische Gewissen entdeckt ist, verehrt man, platonisch gesprochen, das Original (die Idee), verschmäht die Bearbeitung (den Schatten). Dabei sind alle drei Werke besonders durch Bearbeitungen ihrer ursprünglichen Klaviersuitenform bekannt geworden. Warum also nicht auch eine Bearbeitung für ein tonmächtiges Saxophon-Quartett, hier das Berliner virtuos musizierende Sonic.Art-Quartett mit Adrian Tully (Sopransaxophon), Alexander Doroshkevich (Altsaxophon), Claudia Meures (Tenorsaxophon) und  Annegret Tully (Baritonsaxophon), die kammermusikalische Zeichnung und orchestrale Fülle zu vereinen wussten. Und wurde „pure Klassik“, gelegentlich als altmodisch empfunden, durch den modischen Saxophon-Sound nicht auch dadurch ins Interesse gerückt.

Griegs Holberg-Suite op. 40 (1884) umfasst Vorspiel und vier Barocktänze. Das 'Praelude’ war als ein wuchtiges 'perpetuum mobile’ vorgeführt, das dahinstürmte unter hell tönender Fanfarenmelodie, nur gebremst durch virtuose Einschübe, die in der Streicherfassung wohl durchsichtiger klingen, hier in sinfonischer Klangfülle zu hören waren. Die 'Sarabande', ruhig dahin schreitend (Andante), erklang in der griegschen einprägsamen Melodik. Die Gavotte kam ruhig und graziös-rokokohaft daher, dann beschleunigt in der 'Musette’ mit dem Dudelsackbrummton. Der eingebettete Geschwindmarsch mit Kantilene war hörbar Lieblingsstück des tiefen Saxophons. Während der langsame Satz 'Air’ seine melancholisch, schmerzliche Stimmung hören ließ, endete schwungvoll dahinwirbelnd das finale 'Rigaudon’ mit lieblichem Trio-Einschub.

Ravels (musikalisches) 'Grabmal von Couperin' (1914-17) entstand zu Ehren dieses Barockkomponisten und seiner im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunde. Ähnlich Grieg verwendete er formal vier barocke Sätze, erfüllt sie mit zeitgenössischer Klanglichkeit, wie es Grieg mit der damaligen spätromantischen Musiksprache tat. Das Prélude ließ das Quartett motorisch als 'perpetuum mobile’, aber auch an Couperins Cembalokunst erinnernd, beschwingt vorbeiziehen. Die 'Forlana’ - nach einer Komposition Couperins - war damals gerade wieder als Tanzweise bekannt geworden, sogar von Papst Pius X. gegen den damals aufkommenden 'Tango’ empfohlen. Die Forlana hier beeindruckte durch ihre kunstvoll eingerichteten Melodik und Rhythmik wie auch das folgende Menuet samt Musette-Trio, beide Verbindungen von Altem und Modernem und damit letztlich moderne Klangstücke. Im finalen raschen 'Rigaudon-Tanz’ führten die Saxophonisten die durchgängigen Sechzehntelbewegungen gekonnt aus und ließen anmutig das eingeschobene Hirtenmusik-Intermezzo hervortreten.

Mussorgskis 'Bilder einer Ausstellung’ (1874) gelten als 'Inbegriff der programmatischen Musik’, die Darstellung seelischer oder äußerer Vorgänge sein will, wobei die Hörerphantasie - hier durch Bildertitel - angeregt werden soll. Mussorgski war mit seinen klangmalerischen Fähigkeiten ein Meister dieses Stils. So sollen die verschiedenen Charaktere der zehn musikalischen Miniaturen widerspiegeln, was der Betrachter, bei einem Galerie-Rundgang (Promenade) über die einzelnen Bilder empfinden könnte. Die Bildimpressionen sind durch variierte Zwischenmusiken (Promenades) verbunden, was dem Quartett viel Gelegenheit zu situationsgerechtem Musizieren bot. Glanzlichter seien angesprochen. In 'Das alte Schloss’ (2) erklingt eine Art Minnesänger-Lied, ein Wunschstück für den Altsaxophonisten, der die elegisch-sentimentale Stimmung genau traf. Schon in Ravels Orchesterfassung (1922) spielte hier ein Saxophon. In 'Tuilerien. Streit von Kindern nach Spielen’ (3) konnten die Musiker das musikalisch 'gemalte’ ausgelassene Lärmen und Herumjagen einer Kinderschar richtig 'hörbar' machen. Im 'Ochsenkarren’ (4) war mit trefflicher Dynamik geschildert, wie ein von Ochsen gezogener Karren aus der Ferne näher kommt (piano), schwerfällig vorbeirumpelt (con tutta forza ) und leiser werdend sich ppp entfernt. In dem 'Ballett der Küchlein in ihren (Eier)schalen' (5) amüsierte quirlige Tonmalerei mit Vorschlägen und Trillerketten, wie Küken an ihren Eierschalen picken, piepsen und flattern. In 'Samuel Goldenberg und Schmuyle' (6) erlebte man musikalisch Dialog und gleichzeitiges Reden des herrischen Juden Goldenberg und seines aufgeregt jammernden Schuldners Schmuyle. Das rast- und endlose Schnattern und Streiten von Marktfrauen auf dem 'Markt von Limoges' (7) drückte ein virtuos gespieltes 'perpetuum mobile’ von Sechzehnteln aus. Zum dem 'Das große Tor von Kiew' (10) inspirierte Musorgski eine Skizze Hartmanns für einen ebendort ausgeschriebenen Torbau zu Ehren von Reform-Zar Alexander II., der 1867 glücklich einem Attentat entgangen war. In dem gewaltigen Schlussteil 'Maestoso. Con grandezza' entwickelte das Quartett triumphale sinfonische Klangwirkung erneut mit dem Promenadenthema, dann einer altrussischen Choralweise und dem Geläut wie von verschiedenen Glocken.

Darauf erfolgte begeisterter Beifall des saalfüllenden Publikums - und als Zugabe - was auch Ausblick auf das breite Repertoire des Ensembles gab, ein arrangierter Satz aus dem 3. Streichquartett 'Mishima' des amerikanischen Komponisten Philip Glass (geb. 1931), komponiert zu Ehren des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima (1925-70) und - was größten (rhythmischen) Beifall erwirkte - George Gershwins Ohrwurm "I Got Rhythm - Ich habe Rhythmus - Rhythmus liegt mir im Blut" (1931), einer der meistgespielten Jazz-Songs überhaupt.

29.10.18

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