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Ausklang mit Ohrwurmgarantie - Sommerfrische Flötentöne


(Fotos: privat/Almut Werner)

(bro) (hqu) Pünktlich um 20.44 Uhr begann Stefan Pahl vom Förderverein Klosterkirche am letzten Mittwoch seine Begrüßung und bedankte sich beim Klarinetten- und Saxophonlehrer Ralph Schweizer der Musikschule Eberbach, dass er „seine vier besten Schüler“ mit in die Klosterkirche Hirschhorn gebracht hatte, welche bereits vor dem Konzert extern bestuhlt werden musste.

Und sofort zeigten die vier „Anonymen Saxophoniker“ mit Florian Roh am Sopran-, Fabian Held am Alt-, Pierre Moreira am Tenor- und Felix Roh am Baritonsaxophon, welche klangliche Vielfalt diese Instrumentenfamilie in sich birgt.

Mit weichem Ton eröffneten die vier jungen Männer den Abend mit einem Ricercar in fis-Moll von Johann Pachelbel (1653–1706,) einer Vorform der Fuge. Als Schweizer an den Ambo trat, wies er darauf hin, dass hier ausschließlich Landes- und Bundespreisträger sitzen und führte knapp in die 150-jährige und damit sehr junge Geschichte des Saxophons ein. Natürlich durfte an diesem Abend auch ein Werk von Johann Sebastian Bach (1685-1750) nicht fehlen, hat dieser doch selbst damals im frühen zweistelligen Lebensalter im Ohrdrufer Mondschein Noten von Pachelbel abgeschrieben, wo ihn sein älterer Bruder, der Pachelbel-Schüler Johann Christoph Bach, aufgenommen hatte, nachdem der kleine Johann Sebastian mit zehn Jahren Vollwaise geworden war. Himmlisch wurde die Musik nach kunstvoller Polyphonie bei gleichermaßen trivialen Themen bald darauf bei den beiden Engelswerken „Milonga del Ángel“ und „Resurrección del Ángel“ von Astor Piazolla (1921 - 1992). Natürlich erwartete der geübte Ausklang-Besucher spätestens jetzt noch ein paar besinnliche Texte, zum Beispiel über Engel. Aber wenn an jenem Abend die Verbindung zwischen Musik und Literatur/Lyrik fehlte, dann muss man wirklich sagen, dass dies der einzige Mangel des Abends war, den die vier jungen Musiker locker wieder wettmachten.

Aber dann wurde es mit „By me at home“ von Franck Wolf plötzlich jazzig, und obwohl das Instrument des Abends vor allem aus dieser Musiksparte bekannt ist, klang Jazz mit gleich vier Saxophonen doch wieder passend und fremd zugleich, denn selbst das, was normalerweise vom Banjo ausgeht, musste nun vom Alt- und Tenorsaxophon übernommen werden. Jetzt zeigte Felix Roh am Bariton, wie knackig sein Ansatz doch sein kann, denn erst wenn der Bass so groovig wie bei ihm hörbar ist, kann das Ohr die restlichen Schlag- und Percussion-Instrumente selbst ergänzen. Als „Take Five“ von Paul Desmond auf dem Programm stand, wurde der Hörer erst einmal äußerst raffiniert hinters Licht geführt, denn der Fünfvierteltakt im erst sehr anders klingenden Basseinsatz war wohl für die meisten Besucher während unzähliger Takte nicht zu erkennen, bis dann irgendwann das bekannte Thema erklang. Mit „Fragile“ von Sting wurde die Bandbreite des Ensembles noch um einen Popsong erweitert. Natürlich nach wirkten die wenigen Hauptdreiklänge über der harmonischen Mollskala nach allem, was dem Song an diesem Abend vorausgegangen war, eher einfältig, was die Saxophoniker jedoch mit abwechslungsreicher Dynamik wieder wettmachten, und was die Sting-Fans im Saal ihrem Idol sicher nachsahen. Interkulturell wurde es schließlich mit den beiden „Oriental Dances“ von Valentin Hude. Das Sopransaxophon, welches im Lauf des Abends bisweilen an eine Oboe erinnert hatte, übernahm jetzt wohl eher die Rolle des Duduks oder eines anderen orientalischen Rohrblattinstruments. Damit nun wirklich alle mit guter Laune nach Hause gehen würden, beendete das Quartett den Abend völlig anachronistisch mit der neapolitanischen Tarantella „La Danza“ von Goachino Rossini (1792-1868), der sich im Alter der Oper ab, aber dem kulinarischen Genuss zugewandt hatte. Dass Belcanto und Virtuosität enge Verwandte sind, und beides das Publikum begeistern kann, war kurz nach dem Schlussakkord klar, denn das applaudierende Publikum gab seine Ovationen nun im Stehen.

Und bei der Zugabe „Sir Patrick“ zeigte Florian Roh noch einmal alles Virtuosentum, welches in ihm steckt, während die Kollegen lange Zeit nichts anderes als Stützakkorde darunter zu setzten hatten. Immerhin wurden dann im Mittelteil alle Instrumente eingeladen, Phrasen von „Flo“ zu imitieren. Als jeder mit einem Ende gerechnet hätte, wurden die Zuhörer indessen mit raffinierter Chromatik und stilvoller Dynamik überrascht. Eine „aller-aller-letzte Zugabe“ kündigte Schweizer „für alle Junggebliebenen“ an, die diese kleine Melodie auch auf dem Nachhauseweg summen können. Niemand hätte nun das Biene-Maja-Thema erwartet, aber nach dem ersten Schmunzeln, welches durch das Kirchenschiff gegangen war, war sicherlich jedem klar: Auch diesem verliehen die Saxophoniker einen deutlich anderen Charakter, der kaum mit Worten zu beschreiben ist, und so war mit diesem trivialen Filmtitellied - nach all der hohen und zugleich gefälligen Kunst des Abends - auch der Ohrwurm eines jeden Konzertbesuchers für den Rest des Abends gesichert, als er in sein unbekanntes Land zurückkehrte.

Und natürlich freut sich der Förderverein Klosterkirche, ein solch professionelles Ensemble aus der Nachbarstadt einmal wieder in Hirschhorn begrüßen zu dürfen.

Vorschau:
(aw) Am 31. Juli um 20.44 Uhr lässt die Blockflötistin Almut Werner in der Klosterkirche in Hirschhorn ihre vielen verschiedenen Flöten erklingen und gestaltet ein buntes musikalisches Klangbouquet, das von alter Musik über Musik des 19. Jahrhunderts bis zur Moderne reicht. Die zeitgenössische Vertonung eines japanischen Gedichts des achten Jahrhunderts steht zudem ebenso auf dem Programm wie das geheimnisvolle Stück Schrijn der Freiburger Komponistin Claudia Spahn. Auch die leichtere Muse ist zu hören wie beim perlenden Champagner Rag von Uwe Heger. Eingebettet in die Musik wird Lyrik von Joachim Ringelnatz, Clemens Brentano, Theodor Storm und Li-tai-pe vorgetragen. Freuen kann man sich auf einen spannenden und entspannenden so wie im wahrsten Sinne des Wortes lauschigen Sommerabend mit frischer und besinnlicher Flötenmusik. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende zur Deckung der Unkosten wird am Ausgang gebeten.

Almut Werner studierte Blockflöte und historische Aufführungspraxis bei Prof. Michael Schneider an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt a. M. und schloss dort mit Diplom ab. Sie setzte ihr Studium in Kassel bei Angela Hug und Prof. Winfried Michel fort, wo sie es mit der künstlerischen Reifeprüfung beendete. Ihre Ausbildung vertiefte sie auf Meisterkursen bei Frans Brüggen, Walter van Hauwe, Matthias Weilenman, Han Tol u. a. Sie war Preisträgerin bei „Jugend musiziert“ und wurde zudem mit dem Förderpreis der Freimaurerloge „Zur deutschen Burg“ ausgezeichnet. Während ihres Japanaufenthaltes studierte sie Shakuhachi (japanische Bambusflöte) bei Ch. Yomei Blasdel in Tokio, woraus die Transkriptionen für Blockflöte „Rokudan no shirabe“ und „Chidori no Kyoku“ entstanden sind. Almut Werner konzertiert seit vielen Jahren solistisch und als Mitglied verschiedener Ensembles – u. a. bei „La Rosa Enflorece“, im „Duo Intermezzo“, mit dem Barockensemble „Operino“ und bei „Entr’acte“. Die jeweiligen Programme sind ein Beleg für ihre virtuosen Fähigkeiten in Darbietung und Interpretation von Werken des Mittelalters, Renaissance, Barock bis zur Moderne einschließlich Jazz. Neben ihrer Konzerttätigkeit ist sie zudem als Instrumentalpädagogin tätig und hat mehrere hoch gelobte Werke für Kinder veröffentlicht. Sie publiziert zudem regelmäßig in der Fachzeitschrift Windkanal und war als Jurorin verschiedener Musikwettbewerbe tätig.

24.07.19

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