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Nachrichten > Kultur und Bildung

Annalisa Orlando begeisterte das Publikum


(Foto: privat)

(bro) (hqu) Am Vorabend zum letzten Sonntag des alten Kirchenjahres versetzte die junge Pianistin Annalisa Orlando die Besucher des Hirschhorner Karmelabends noch einmal so richtig ins Staunen.

Am Samstagabend, 23. November, fand der zweite von fünf Karmel-Abenden dieser Wintersaison im Kapitelsaal des Klosters Hirschhorn statt. Während die Konzertreihe „AusKlang“ in den warmen Sommermonaten zahlreiche Kulturinteressierte in die Klosterkirche zieht, initiierte der Förderverein Klosterkirche Hirschhorn vor zwei Jahren, damals noch angeregt von Dr. Ulrich Spiegelberg, die Karmelabende im gut beheizten Kapitelsaal des Klosters für die kalte Jahreszeit. Der dafür eigens angeschaffte historische Bechstein-Flügel zieht seither in jedem Winter eine Vielzahl an Künstlern für solistische und kammermusikalische Darbietungen in das einzigartig schöne, mit historischen Fresken dekorierte früheren Refektorium (=Speisesaal) des Klosters. Die von Familie Lechner und Manfred König installierte Beleuchtung schaffte ihr Übriges, sodass im Publikum bereits vor dem ersten Ton eine wunderbar-heimelige und fast schon ein bisschen adventliche Stimmung entstehen konnte.

Der Vorsitzende des Vereins, Roland Ziegler, begrüßte das Publikum, bedankte sich bei der Künstlerin und weckte bereits die Erwartungen, dass wir heute Abend „wirklich was Besonderes“ erleben werden, denn nach der Generalprobe sei er ganz „erschlagen“ gewesen. Er begrüßte ebenfalls Professor Scott, den aus den Vereinigten Staaten stammenden Ausbilder der Meisterklassenschülerin, „I know why you are here“.

Nach einer kurzen erläuternden Ansage hörte das Publikum aus dem Wohltemperierten Klavier, Band II die Fuge in Gis-Moll BWV 887 von Johann Sebastian Bach (1685-1750), vorweg ihr dazugehörendes Präludium.

Präludien und Fugen, so erläuterte die Künstlerin, wurden von Bach paarweise erdacht, allerdings seien sie kein symmetrisches Paar, wie die Flügel eines Schmetterlings, sondern nach einem sehr seichten Einstieg ziele die Fuge dann auf den größeren Tiefgang bzw. Höhepunkt hin: „Befreiung, Erlösung, vielleicht Auferstehung“ und „einen starken spirituellen Aspekt“ fühlt die Künstlerin nach eigenen Angaben bei diesen Kompositionen, die bekanntlich auch Bach selbst alle der Ehre des alleinigen Gottes („Soli Deo Gloria“) gewidmet hat.
Auffällig war die der Pianistin gelungene Balance zwischen der musikhistorisch schlüssigen barocken Präzision und Spritzigkeit einerseits und der Sensibilität im Klavierton andererseits, mit welchem barocke Musik eben nur auf einem Flügel oder Klavier, nicht jedoch auf einem originalen Instrument dieser Zeit (z. B. einem Cembalo) interpretiert werden kann.
Doch nach dieser absolut gedachten Musik des Altmeisters wurde deutlich, welche Liebe die Interpretin zur programmatischen Musik des 19. Jahrhunderts hat, also zur Musik, die Geschichten erzählt und mit Tönen buchstäblich malt.
So darf auch bereits das Scherzo Nr. 3 in cis-Moll, op. 39 des leider sehr jung verstorbenen Franzosen Frederic Chopin (1810-1849) bereits so verstanden werden, dass hier außermusikalische Inhalte dargestellt werden.
Orlando wies ihre Hörer darauf hin, dass sie einen Elfentanz, später choralartige, himmlische Musik mit Engelsharfen hören werden, was im Verlauf des musikalischen Vortrags auch bald nachvollziehbar wurde.
Aber niemand hatte bis dahin erwartet, welche vielseitige Virtuosin in der jungen Damen steckt, die sie bereits in diesem Satz in allen Facetten zeigte, denn auf die schwierigen und kräftigen Griffe des Elfentanzes folgten äußerst filigrane Harfenklänge aus unzählbar vielen ultrakurzen Noten, wie sie eigentlich nur Chopin komponieren konnte, die neben hoher Fingerfertigkeit auch ein besonderes Geschick verlangen. Die von der Künstlerin verwendete Agogik (leichte Verschleierung des Grundschlages der Musik zugunsten musikalischen Ausdrucks) entsprach nun ganz der frühen Romantik. Spätestens in der Stretta (schneller Schlussteil) des Scherzos ließen ihre flinken Finger aber alsbald jeden Zuhörer im Raum den Atem anhalten.
Wer sein Publikum mit so viel Virtuosität bereits in seinen Bann gezogen hat, der kann sich dann eigentlich nur noch mit einem Komponisten steigern. Franz Liszt (1811-1886), der bis heute ungebrochene Meister musikalischer Geschwindigkeit, der gelegentlich auch mit sechs Händen karikiert abgebildet wird, bediente sich bekanntlich gerne so mancher Melodien seines Zeitgenossen, Freundes und Schwiegersohnes Richard Wagner (1813-1883). So interpretierte die junge Künstlerin vor der kurzen Pause noch Isoldes Liebestod in der Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt.

In einer kurzen Pause erläuterte Roland Ziegler freudig und anschaulich, wie Annalisa das Programm des Abends bereits im Frühjahr nach einem längeren Aufenthalt im Kapitelsaal auf „unserem“ Flügel passend zugeschnitten hatte. Mit Stolz verkündete der Vorsitzende im Anschluss, dass Prof. Scott einen Freund in Hirschhorn habe, „Sie sehen, die Welt ist mit Hirschhorn verbunden."

Wer sein Programm quasi maßgeschneidert auf den historischen Bechstein-Flügel abstimmt, wird sinnvollerweise nicht mehr weiter in die Moderne vordringen, als Orlano es mit drei Sätzen aus „Miroirs“ von dem impressionistischen Komponisten Maurice Ravel (1875-1937) tat. Denn in dieser frühmodernen Epoche ist auch in Harmonien fern jeglicher Diatonik noch jeder erdenkliche „Wohlklang“ (Ulrich Michels) garantiert. Bei aller erneuten liebevollen Interpretation zeigten die Finger immer wieder ihre außerordentliche Fähigkeit, Dynamik und Musikalität selbst in kürzesten Notenwerten (also: vielen schnellen Noten) präzise und sicher zum Hörer zu transportieren. Beeindruckend war auch die „Barke auf dem Ozean“, die man sich zwischen allen vielen kleinen Wellen bildlich schaukelnd vorstellen konnte.

Aber mit einem letzten Scherzo Chopins (Nr. 4 in E-Dur, op. 54) schloss sich der Kreis des romantisch-virtuosen Teils des Abends wieder. Nach einer kurzen, kompakten Einleitung brach der Komponist, der uns eigentlich als selbst sehr feinfühlige Persönlichkeit überliefert wurde, in dieser Komposition stets mit seinen ersten musikalischen Ankündigungen und ließ die verschiedenen, höchst melodischen Phrasen immer wieder aufs Neue von wirren Läufen durchbrechen, die von Annalisa auch hier nicht nur mit unfassbar hoher Treffsicherheit, sondern auch noch mit sehr viel Einfühlungsvermögen dargeboten wurden, sodass ihre Interpretation dem Komponisten, bei allem, was wir heute über ihn wissen, aus der Seele gespielt worden sein dürfte: Wer, wie Annalisa Orlando über beide Komponenten verfügt, über äußerst flinke Finger auf der einen, musikalische Zartheit, gepaart mit hohem Einfühlungsvermögen auf der anderen Seite, verfügt über die besten Voraussetzungen für einen optimalen Chopin-Interpreten.

Das Publikum drückte seinen Dank durch tosenden Beifall aus. Ziegler fügte noch hinzu, „Wie kannste des alles auswendig behalten, ich bin schon vom Zuschauen total verwirrt“. Natürlich fasste er den Wunsch des Publikums nach einer Zugabe noch in weitere freundliche Worte. Doch wer mit einem weiteren Virtuosen oder Romantiker gerechnet hatte, der wurde schnell eines Besseren belehrt: Mit „Napolitana berceuse“, einem „inanana“ (deutsch: Wiegenlied) aus der Feder des ebenfalls anwesenden Freundes der Pianistin Alfredo de Vecchis, schaukelte sie das Publikum nach allen musikalischen Stürmen und Wasserfällen des Abends sachte in den Schlaf. Erst in das zarte Schluss-Ritardando hinein drang aus dem Hintergrund erneut ein leicht wahrnehmbares, ganz leises Rauschen eines echten Wasserfalls, nämlich das von der nahegelegenen Neckarstaustufe.

Mit stehenden Ovationen wäre der Abend vom ganzen Saal quittiert worden, hätte da nicht jemand gesessen, der diese wichtige Begebenheit für die Presse in sein Laptop hätte tippen müssen. Wie immer wurde der Karmel-Abend schließlich mit einem Segen beendet, den der Karmeliten-Pater Linto spendete. Und mit diesem Segen verließen die Zuhörer den Saal. Was blieb, waren die zahlreichen und sehr vielfältigen Eindrücke und die Bewunderung für die außerordentlich begabte junge Pianistin Annalisa Orlando, die aber über ihre Fingerfertigkeit hinaus viele Herzen im Lauf des Abends berührt hatte.

25.11.19

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