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Rosani Reis und Band: ein aufregender und nicht nur brasilianischer Abend


Rosani Reis mit ihren Musikern (v.l.) Bassist Martin Furmann, Perkussionist Claudio Wilner und Pianist Hans Wanning. (Foto:Wörner)

(tw) (jm) Nach drei Jahren stand dank der Initiative des Kulturlabors am Freitagabend Rosani Reis mit Band wieder auf Eberbacher Brettern, diesmal in der Galerie ARTgerecht.
Den ersten Song des Abends widmete die Sängerin ihrer Heimat Minas Gerais und stimmte die Besucher auf typische Merkmale brasilianischer Musik ein: rhythmische Betonung, melodische Stimmführung und unter all der Lebensfreude eine gewisse Melancholie. Die damit geweckte Erwartung wurde aber rasch revidiert, eigentlich hätte schon die Besetzung der Band misstrauisch machen sollen: ein Perkussionist ohne die übliche Batterie an Klanggerät, ein elektrischer Bass in der Ecke und ein einfaches elektrisches Piano sind wahrlich keine Samba-Combo.
Der Titel "Agua" (den niemand übersetzen musste) erweckte mit seinem kontemplativen Beginn prompt Neugier, und man konnte das Staunen fast hören, als etwas Pergamentpapier, Reis und eine perlende Stimme die überdeutliche Illusion von Wasser erzeugten.
Und als ob der Vokalreichtum des portugiesischen Sprache nicht ausreichte, phrasierte und phantasierte Rosani Reis beim folgenden "Chorinho Manso" so munter drauflos, dass ein Gedanke sich geradezu aufdrängte: wenn Al Jarreau ein Instrument in seiner Kehle hat, dann hat diese Frau dort ein ganzes Orchester!
Das bekannte Stück "Canto das Tres Racas", das wohl wie kein anderes den Schmelztiegel Brasilien mit den drei Bevölkerungsgruppen Indios, Farbigen und Weißen adressiert, erinnerte in Interpretation und Gestus an einen Revolutionsmarsch: eine stolze junge Frau mit Trommel als selbstbewusste Vertreterin einer Nation im Aufbruch. Das mit- und hingerissene Publikum applaudierte minutenlang.
Nach der Pause war der Titel "Estrella e Lua nova" von Heitor Villa-Lobos, dem in vielfacher Hinsicht revolutionären musikalischen Grossmeister Brasiliens, angesagt. Das Solo der Sängerin mit akustischer Gitarre hatte kammermusikalische Qualitäten und stand im markanten Gegensatz zu den fast experimentellen Rhythmen der übrigen Stücke. Das nächste Stück "Danca da Solidar" führte den Gedanken einer "Comunidade" konsequent weiter: nach und nach gesellten sich die anderen Musiker mit Minimal-Instrumenten wieder zu ihrer Sängerin, um eine Art musikalischen Rütli-Schwur zu leisten: "Nicht nur eine Band, sondern vier Freunde wollen wir sein - venceremos...". Um ein Haar hätte das Publikum mit roten Nelken geworfen.
Nicht nur hier boten die "Freunde" zur Freude der Zuhörer locker (im doppelten Sinn!) Paroli. Die teilweise fast übermütigen Läufe von Pianist Hans Wanning hätten jedem ambitionierten Jazzfestival zur Ehre gereicht, die Durcharbeitung und das Gegeneinandersetzen der Themen hätte ein Keith Jarrett nicht besser machen können, und bei den geradezu organisch wirkenden Rhythmuswechseln hätte dieser womöglich noch was lernen können.
Perkussionist Claudio Wilner wird wohl am Besten als "Meister des Minimalismus" beschrieben: zwei Hände bzw. zehn Finger und einfachste Geräte (Fächer, Kalebasse usw.) genügen dem bescheidenen Klangerzeuger, um das ganze Spektrum von federleichter Begleitung bis zum fetzigen Solo (da gab es zu Recht Spontan-Applaus) zu bedienen. Im gelang einer der besonderen Momente des Konzerts: sein virtuoses Intro auf dem Berimbao versetzte das Auditorium innerhalb weniger Takte aus dem Neckartal direkt an die Ufer des Amazonas.
Eine verblüffende musikalische Reife zeigte der blutjunge Bassist Martin Furmann: bei seinem Duett mit Rosani Reis polsterte er den spartanischen Raum der Galerie mit weichen, warmen Tönen dermassen aus, dass sich die Stimme der Sängerin regelrecht darauf räkeln konnte. Das war wohl der zauberhafteste Dialog des Abends, voll unschuldiger Intimität und innigem Gleichklang. Der zarte Kuß am Ende des Stücks lieferte den perfekten Schlussakkord; wer sich da bei wem bedankte, blieb - wie bei jedem guten Dialog - völlig in der Schwebe. Überaus dankbar waren jedenfalls die Besucher, die einen entsprechenden Applaus spendeten.
Wesentlich erdiger und direkter kurz darauf das Stück "Sambo do Gago", das sich mit dem ersten "klassischen" Schlagzeug des Konzerts und einem pulsierenden Piano trotz des Titels in Richtung erdiger Rock entwickelte und auf die schwungvollen folgenden Titel vorbereitete.
Das Berimbao (eine Art Bogen mit Kalebasse) ist das typische Begleitinstrument zum brasilianischen Kampftanz Capoeira - und Rosani Reis nahm das offensichtlich ernst: plötzlich stand da eine Kriegerin auf der Bühne und machte ihren Standpunkt unmissverständlich klar: Härte, Mut, Leidenschaft - Schluss! Das Publikum stutzte kurz, und antwortete dann ebenso entschieden - ohrenbetäubendes Klatschen!
Das Schlußstück "Aeroporto" (mit einem Text von Rosani Reis über das Bemerken grauer Haare bei Anderen) regte alle wieder ab, war aber musikalisch eine weitere Überraschung. Man kann es sich vielleicht so vorstellen: eine Soul-lastige Disco-Queen trifft eine Funk-infizierte Samba-Tänzerin, die beiden verstehen sich prächtig und fusionieren zu - ja was eigentlich?
Dieses Stück machte endgültig klar, dass Rosani Reis und Band wirklich Weltmusik machen: immer und unverkennbar auf dem Boden Brasiliens, aber überall zu Hause und bar jeder Berührungsängste (was man auf der brandneuen CD "Mosaico" – erhältlich im Eberbacher CD-Laden - leicht überprüfen kann).
Rosani Reis und ihre Musiker kennen keinen (falschen) Respekt und wenden keine (musikalische) Gewalt an; ihre porentiefe Musikalität und pure Spielfreude lassen den Begriff "Stilfrage" in jeder Hinsicht belanglos werden. Und das ist vielleicht das Beste, was es über diesen Abend zu sagen gibt: dass er in der Musik so versöhnlich und in der Darbietung so aufregend war.

27.10.02

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